Selfmade Millionär – Lynn Tilton

By on August 13, 2015
Lynn Tilton

Selber beschreibt sich Lynn Tilton als der reichste weibliche Selfmade Millionär der USA. Andere zweifeln diese Aussagen und die Angaben zu ihrem Vermögens an. Gewiss ist, dass dieser weibliche Donald Trump, wie sie oft genannt wird, Hunderte Millionen in den letzten Jahren mit ihrem Privat-Equity Fond verdient hat. Wie viele genau, ist aber für Aussenstehende schwer zu sagen. Blicken sie gemeinsam mit uns auf den Lebenslauf dieser faszinierenden und auch stark polarisierenden Frau die ihr Geld ausschließlich an der Wall-Street gemacht hat.

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In 10 Jahren zur Milliardärin … behauptet sie zumindest selber

Sie scheint aus dem Nichts erschienen zu sein. Wenn man auf ihre Webseite geht, erfährt man dass sie eine hart arbeitende und allein erziehende Mutter ist, die in Yale und auf der Columbia University studiert hat und bei solch prominenten Namen wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley ihre ersten Sporen verdient hat.

Ganz untypisch für eine von Männern dominierte Industrie hat sie als eine von wenigen Frauen ihren eigenen Private-Equity Fonds schon im Jahr 2000 aufgesetzt (ironischerweise Patriarch Partners genannt). Ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner sehen die Blondine mit der Löwenmähne und dem Hang für teure Juwelen in einem ganz anderen Licht. Sie sprechen teilweise von einem cholerischen und extrem volatilen Boss sowie von einem unzuverlässigen und oftmals intransparenten Geschäftspartner.

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Selfmade Millionär – Wer also ist Lynn Tilton wirklich?

Geboren wurde sie im New Yorker Stadteil Bronx wo sie einige Jahre in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, bevor sie später mit ihren Eltern nach New Jersey übersiedelte. Der Vater war ein Disziplin liebender High-School Lehrer der frühzeitig starb, dennoch, oder gerade deswegen, so einen starken Einfluss auf sie hatte.

Dieser strenge Erziehung verdankte sie eine interessante Karriere im Damen-Tennis und eine erstklassige Ausbildung mit Stationen auf der Yale University und dem MBA von der renommierten Columbia University.

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Lynn Tilton i Gespräch mit Jeff Sonnenfeld dem CEO des Yale Chief Executive Leadership Instituts / Quelle: exponential.singularityu.org

Kurz nach dem MBA fing sie bei Merrill Lynch an, bevor es später zu Goldman Sachs ging. Bei den Investmenthäusern lernte sie auch das Geschäft mit notleidenden Krediten bestens kennen. Mit diesem Wissen und $10 Millionen die sie als Partnerin bei den Investmentbanken verdient hatte, beschloss sie 2001 ihren eigenen Private-Equity Fond aufzusetzen. Dieser sollte sich, wenig überraschend, mit dem Kauf und Handel von notleidenden Krediten beschäftigen und Lynn zu einer der reichsten Frauen der Vereinigten Staaten machen. Ob sie wirklich, wie selber behauptet, die reichste Self-Made Milliardärin der USA ist, bleibt aber strittig.

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Selfmade Millionär – Die humane Heuschrecke

Die übliche Strategie von Private – Equity – Fonds ist es (Mit) – Eigentümer anderer Unternehmen zu werden, diese Beteiligung einige Jahre aktiv zu managen und dann mit möglichst hoher Rendite wieder abstoßen. Meistens versuchen diese Fonds auch die Kapitalstruktur dieser Unternehmen zu ändern und möglichst viel teures Eigenkapital durch billiges Fremdkapital zu ersetzen.

.Auch ist es üblich die Kostenstruktur des Unternehmens oftmals kurzfristig zu optimieren (unter anderem auch durch radikalen Mitarbeiter – Abbau), ohne an die mittel- bis langfristigen Perspektiven zu denken. Genau diesen Ansatz machte sich Lynn Tilton scheinbar an zu durchbrechen. Sie wurde berühmt mit dem Spruch: „It is only men that I strip and flip, not my participations!”

(Ich ziehe nur Männer aus und drehe sie, nicht meine Unternehmensbeteiligungen). Sie wollte damit zum Ausdruck bringen dass auch sie sich bei in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen gezwungen sieht, den Rotstift anzusetzen, ihr aber das Wohlergehen der zugekauften Unternehmen und deren Mitarbeiter sehr am Herzen liegt.

Sie wird nicht müde in den Medien zu verlautbaren dass Patriarch Partners über 250.000 amerikanische Industriejobs durch den Kauf von 150 Unternehmen gerettet hat.

Geschickt verwendet sie Gastauftritte bei Wirtschaftssendern wie CNBC, FOX und Bloomberg um das Mantra der unermüdlichen Retterin des amerikanischen Mittelstandes zu verbreiten. Sogar eine Reality – Show „Diva of Distressed“ über ihr Leben erschien auf dem Sundance Channel.

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Selfmade Millionär – Finanzpatent als Riesenerfolg

lynn-tilton-patentAll dies lässt sie für viele Kritiker wie die weibliche Version von Donald Trump erscheinen. Auch er kam nämlich in New York auf die Welt, ist einer der bekanntesten Geschäftsleute der USA (und seit kurzem Präsidentschaftskandidat), hatte seine eigene Reality-Show und behauptet trotz mehrerer Pleiten, US – Dollar Milliardär zu sein und einzig und alleine für das Wohlergehen der amerikanischen Mittelschicht zu kämpfen.

Ihre wirklichen Absichten sind genauso wie ihr Firmenkonstrukt ziemlich intransparent und schwer zu durchschauen. Einige Unternehmen scheint sie vor dem sicheren Tod bewahrt zu haben, bei anderen hat auch ihr Charisma und ihre charmante Aggressivität nicht mehr viel ausrichten können. Womit sie aber tatsächlich Riesenerfolge feiern konnte, war mit der Entwicklung einer patentierten Formel für notleidende Kreditstrukturen.

Durch diese CLOs (Collateralised Loan Obligations) welche im Epizentrum der Kreditkrise in 2008 standen, wurde automatisch die Qualität der Kredite verbessert, was sie wiederum für außenstehende Investoren wesentlich attraktiver machte.

Eine der Vorteile ihrer Formel war dass bei Zahlungsschwierigkeiten der Unternehmen, die notleidenden Kredite nicht abgeschrieben oder zumindest Vorsorgen getroffen werden mussten, wodurch auch die Bewertung der Wertpapiere ohne objektive oder wissenschaftliche Kriterien erfolgte. Im Grunde funktionierte Patriarch Partners nicht anders als eine Bank, mit ähnlichen Transparenzproblemen aber ohne über eine Banklizenz zu verfügen.

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Selfmade Millionär – Investoren mithilfe ihres Patentes betrogen?

Die Ironie des Schicksals ist aber dass genau dieses Patent sie in Schwierigkeiten brachte. Laut Tilton selber hat sie es mit diesem Instrument geschafft, Tausende Arbeitsplätze zu retten in dem Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten nicht schließen mussten sondern weitergeführt werden konnten.

Die US – Börsenaufsicht (SEC) hingegen vermutet Betrug an den Investoren und in einigen Fällen Konkursverschleppung hinter diesen Manövern. Laut SEC hat Tilton damit seit 2009 über 200 Millionen Dollar zusätzlich an Gebühren eingestrichen.

Über ihre Anwälte bestreitet Tilton diese Anschuldigungen und präsentiert sich in den Medien weiterhin als unermüdliche Vorkämpferin für die amerikanische Arbeiter, die einmal mehr von den Eliten des Landes im Stich gelassen werden sollen.

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Selfmade Millionär – Endgültiges Urteil steht noch aus

Wie so viele schillernde Persönlichkeiten hat auch die extravagante Lynn Tilton ihre Schattenseiten. Gewiss ist aber dass sie durch beinharte Arbeit, dem Mut zum Risiko und dem gelegentlichen Einsatz weiblicher Reize, ein Vermögen von nördlich von $500 Millionen verdient hat.
Ob dahinter wirklich nur die Absicht steht den Niedergang der amerikanischen Mittelschicht aufzuhalten oder ob sie bewußt Investoren um Hunderte von Millionen Dollar betrogen hat,  soll in den nächsten Monaten von der amerikanischen Justiz aufgearbeitet werden.

Gewiss ist sie aber wie ihr Geistesbruder Donald Trump nie langweilig und gerade deshalb eine der mächtigsten und vielseitigsten Geschäftsfrauen der Welt. Unwahrscheinlich aber dass Lynn Tilton wirklich die reichste Self-Made Milliardärin der USA ist, wie sie sich selber gerne darstellt.

Bildquellen: Titelbild (ganz oben rechts): Lynn Tilton/community.fansshare.net;

One Comment

  1. heinz

    August 25, 2015 at 09:38

    Beeindruckend zu sehen, wie es mal eine Frau geschafft hat, an der Börse erfolgreich zu sein.
    Habe da mal ein wenig recherchiert und nachlesen können, dass Lynn Tilton aber auch „Dreck am Stecken“ hat. Anscheinend beruht Ihr Erfolg auch nicht so ganz auf 100% seriösen und legalen Wegen. So könnte man es zumindest deuten!?
    Sie wirft eben Leute aus den Firmen raus, um die Firma „gesund“ zu machen um diese danach wieder mit Gewinn zu verkaufen.
    Auch eine Möglichkeit Geld zu verdienen!

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