Dow Theorie – Klassiker der Charttechnik

By on Juli 6, 2016

Die Dow Theorie gilt als einer der wichtigsten Säulen der technischen Analysen. Obwohl Charles Dow sie schon vor über 100 Jahren entwickelt hat, ist sie auch heute noch genau so effektiv wie damals.

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Dow Theorie – Die Ursprünge

Nach dem der Urvater der Dow Theorie den ersten Aktienindex Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht hatte, gab er wenig später eine Reihe an Artikeln heraus, die sich mit den Entwicklungen an den Aktienmärkten beschäftigten. Dies geschah in der von ihm gegründeten Wirtschafts- und Börsenzeitung Wall Street Journal. Obwohl er niemals ein eigenes Buch publizierte, war seine Artikelserie derartig populär, dass sie die Entwicklung der technischen Analyse maßgeblich prägte. Dies gilt im übrigen bis heute noch.

Mit seinem Partner Edward Jones gründete der gelernte Wirtschaftswissenschafter eine Nachrichtenagentur, die wenig originell Dow Jones & Company hieß und in der seine ersten Börsenbriefe erschienen. Nach den anfänglichen Erfolgen, entschieden sich die beiden eine tägliche Publikation, das Wall Street Journal herauszubringen. Sind heutzutage Technologie- oder Finanzunternehmen federführend, waren es gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Eisenbahngesellschaften.

Daher entschied er sich für seinen neu kreierten Index neuen Eisenbahnunternehmen und lediglich zwei aus der produzierenden Industrie zu verwenden.
Aus seiner Sicht war die Trajektorie des Indizes ein guter Vorläufer für die wirtschaftliche Entwicklung der USA, weshalb er ihnen auch so viel Aufmerksamkeit schenkte. Mehr als 10 Jahre später entschied er sich den Dow Jones Index in 2 unterschiedliche Indizes, einen für die Industrie, einen für die Eisenbahnen, zu trennen. Er war der Meinung damit den wahren Zustand der Wirtschaft besser wiederzugeben.

Wenig später, im Jahr 1902, starb Charles Dow schon, doch seine Indizes leben bis heute weiter. Auch stieg die Zahl der im Dow Jones Index enthaltenen Werte bis zum Jahr 1928 auf 30 an. Bis heute gilt er als einer der meist verfolgten Börseindizes der Welt. Was aber sagt die Dow Jones Theorie genau aus?

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Die Eckpfeiler der Dow Theorie

Charles Henry Dow

Charles Henry Dow (Quelle hier)

Schon bald nach dem Tod Charles Dows erschienen verschiedene Bücher zu den Lehren und Theorie des großen Wirtschaftswissenschafters. Die Dow Theorie steht aus mehreren Eckpfeilern.

Alles wird durch die Preisentwicklung diskontiert
Dies ist auch das wichtigste Prinzip der Charttechnik. Alle bekannte Informationen sind bereits in den Charts enthalten. Denn die Marktakteure setzen alles was sie wissen, ahnen, glauben, hoffen oder erwarten durch Kauf- oder Verkaufsorders um. Sogar nicht planbare Events wie Katastrophen oder terroristische Anschläge werden unmittelbar in das Marktgeschehen integriert.

Drei Trends bestimmen das Marktgeschehen

Ein Trend wird definiert durch höhere Hochs- und Tiefs bei einer aufwärtsgerichteten Bewegung bzw. bei niedrigeren Hochs- und Tiefs bei einer abwärtsgerichteten Bewegung. Dies Hochs- und Tiefs können in der Regel gut durch eine Trendlinie verbunden werden.

Charles Dow sah diese Trends wie das Verhalten der Ozeane. Der Primärtrend stellt dabei Ebbe und Flut dar, zeigt also die Richtung der wichtigsten Tendenz. Die sekundäre Tendenz repräsentiert hingegen die Wellenbewegungen im Ozean, während die tertiäre, die unbedeutenden, minimalen Veränderungen innerhalb dieser Wellen darstellt.
Den Zeitraum für den Primärtrend legte er mit ein bis zu mehreren Jahren fest, den Sekundärtrend als Korrektur des primären Trends und den tertiären als kurzfristige Bewegung die nicht mehr als 3 Wochen andauert.

Grundsätzlich sind die untergeordneten Bewegungen (sekundär und tertiär) als Gegenbewegungen zum Primärtrend zu interpretieren. Relevant aus Sicht Charles Dows war dabei lediglich der Primärtrend,die beiden anderen sind eher als unwichtiges Hintergrundrauschen zu sehen.

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Die drei Phrasen des primären Trends

Aber nicht nur das gesamte Marktgeschehen läßt sich in mehrere Trendphasen unterteilen, auch der Primärtrend kann nach Dow in mehrere Periodizitäten differenziert werden. Die erste Phase nannte er Akkumulation. In dieser schlagen speziell die besser informierten Investoren zu. Das kann zum Beispiel am Ende einer Rezession sein, sobald sie erste diffuse Zeichen eines Aufschwungs erkennen und alle negativen Informationen bereits in den Preisen enthalten sind. In der zweiten Phase besserte sich dann Schritt für Schritt die Nachrichtensituation und immer mehr Marktteilnehmer beginnen sich zu beteiligen.

Wenn die Stimmung in Euphorie umschlägt, beginnt das „schlaue Geld“ bereits seine Anteile abzustossen, während das breite Publikum, von der positiven Nachrichtenlage geblendet, im großen Still zuschlägt. Diese Phase nennt sich Distribution und ist auch meistens die Phase in der die Indizes einen Trendumschwung durchlaufen. Dann kommt auch schon der nächste Primärtrend, diesmal aber abwärts und der gleiche Verlauf wie beim Primärtrend, nur spiegelverkehrt, beginnt von vorne.

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Punkt aBestätigung Voraussetzung

Dieser Ecklpfeiler muss so interpretiert werden, dass ein nachhaltiger Primärmarkt nur dann ausgerufen werden kann, wenn sowohl der Industrie- als auch der Eisenbahnindex sich gegenseitig bestätigen. Sie müssen nicht exakt im selben Moment umschlagen, aber es sollte doch relativ zeitnah erfolgen.

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Punkt bOhne Volumen kein wirklicher Trend

Die Handelsumsätze müssen die Richtung des Primärtrends bestätigen. Also bei einem steigenden Trend müssen die Umsätze an Plustagen steigen und bei fallenden Kursen abnehmen. Umgekehrtes gilt natürlich für fallende Primärtrends.

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Punkt cBis der Trend nicht umkehrt, gilt er weiter

Aus Sicht Charles Dows ist die Fortsetzung des Trends wahrscheinlicher als die Umkehr, weshalb es auch so wichtig ist den Primärtrend richtig zu erfassen. Dies entspricht nichts anderem als dem Gesetz der Trägheit in der Physik.

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Interessantes zur Dow Theorie

Neben den wichtigen Eckpfeilern, hat Dow einige weniger relevante Bedingungen definiert. Eine war beispielsweise, dass die Trends durch die Schlusskurse bestätigt werden müssen. Den Intraday-Kursen hingegen schenkte er wenig Beachtung, denn die Aussagekraft der Schlusskurse ist unvergleichbar bedeutender als die oftmals unzuverlässigen Intraday-Kurse.
Interessanterweise wollte Dow eigentlich nicht wirklich die Börsenkurse richtig prognostizieren, vielmehr war er an der zukünftigen Enwicklung der Wirtschaft interessiert.

Alle seine Bemühungen galten diesem Ziel. Dabei hat er aber gleichzeitig die Grundpfeiler für die moderne technische Analyse entwickelt, die auch heute noch von Millionen Marktteilnehmern, Profis wie Amateuren, erfolgreich verwendet wird. Nicht ganz zu Unrecht trägt auch heute noch der wichtigste Aktienindex der Welt, der Dow Jones Index, seinen Namen.

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