George Soros, der Mann der die Bank of England sprengte

By on September 8, 2015
George Soros

George Soros hat es am „Black Wednesday“ 1992 geschafft das ungeschriebene Gesetz, dass man sich nicht mit einer Notenbank anlegt, erfolgreich zu brechen und dabei die Briten aus dem vorgänger des Euros, dem Europäischen Währungssystem, zu kicken. Damit hat er mit einem einzelnen Forex-Trade mehr als eine Milliarde $$ verdient + ist zu einer lebenden Trading-Legende sowie gleichzeitig zu einem der meist gehassten Marktteilnehmer geworden. Lesen sie die aufregende und lehrreiche Geschichte des ungarischen Flüchtlings, der mit 5.000$ nach Amerika ausgewandert ist, und der heute ein Vermögen von mehr als $20 Milliarden  sein Eigen nennt. George Soros, der Mann der die Bank of England sprengte… 

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1.) George Soros – Kindheit im Budapest der 30er Jahre
Geboren wurden George 1930 in Budapest als Sohn einer jüdischen Familie. Mütterlicher Seite besaß die Familie ein florierendes Seidegeschäft, der Vater arbeitet als Rechtsanwalt, war aber vor allem für seine Liebe für die Kunstsprache Esperanto bekannt, die er auch dem jungen George beibrachte. Aus Angst vor Übergriffen durch die Nazis, wechselte Vater Tivar 1936 den Familiennamen von Schwartz auf Soros.

Trotz der vielen Schwierigkeiten während der Nazi-Besatzung überstand der junge Soros diese Zeit unversehrt und konnte 1947, zwei Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, nach London flüchten, wo er an der de London School of Economics Philosophie und vor allem die Lehren Sir Karl Popper studieren durfte.

 

2.) George Soros – Studium Karl Poppers Theorien in London

Poppers Theorien übten auf ihn derart viel Faszination aus, dass er im Laufe der nächsten Jahre eine eigene Theorie der Reflexivität entwickeln sollte, welche sich auf die wichtigsten Thesen des Philosophen beziehen. Sein Investmentansatz entstand also zuerst als philosophisches Konzept.

Nach dem Doktorat in Philosophie an der London School of Economics, tat sich der Investment-Guru lange Zeit schwer einen adäquaten Job zu finden und so arbeitete er zuerst als Vertreter für Geschenksartikel an diversen Küstenorten der britischen Insel.

Parallel dazu wurde er aber nicht müde, Banken in der City of London Bewerbungen zu schicken, die aber großteils unbeantwortet blieben.

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3.) George Soros – Erste Erfahrungen im Finanzgeschäft

1954 sollte es aber endlich soweit sein und er konnte beim Bankenhaus Singer & Friedlander in London als Mitarbeiter in der Arbitrage – Abteilung loslegen. Nur zwei Jahre später wechselte er zu F.M.Mayer nach Ney York wo er auch europäische Aktien arbitrieren durfte. Weitere drei Jahre später, im Jahr 1959, sollte er zu Wertheim & Co desertieren wo er als Analyst arbeitete.

Wenig begeistert von der Tätigkeit, wollte er dort rasch $500.000 verdienen um sich seiner großen Leidenschaft der Philosophie und hier besonders den Theorien Karl Poppers widmen.
Nach einer weiteren Station bei Arnhold and S. Bleichroeder entschloss er einen Fond mit Kapital seines Arbeitsgebers in Höhe von $100.000 aufzusetzen.
Sein Ziel war von Anfang an, nicht so sehr überdurchschnittliche Erträge zu erwirtschaften, sondern zu beweisen dass seine Theorie der Reflexivität tatsächlich geeignet war, um das Marktgeschehen optimal zu beschreiben.

Grob vereinfacht besagt diese Theorie dass sich das Marktgeschehen und die Reaktion der Marktteilnehmer gegenseitig beeinflussen. So führen steigende Marktpreise zu mehr Kaufinteresse bei den Marktteilnehmern, welches wiederum die Preise weiter nach oben treibt und neue Käufer anlockt. Diese Rückkoppelungsschleife führt solange zu steigenden Kursen, bis es zu einer Umkehr kommt, womit der Circulus virtuosus in einen Teufelskreislauf übergeht.

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4.) George Soros – Der große Durchbruch mit dem ersten Hedge Fond

1969 sollte er mit rund vier Millionen Dollar ($250k eigenes Kapital) den Double Edge Hedge Fond auf der karibischen Insel Curacao aufsetzen, der die Basis für den späteren Soros Fond bilden sollte.

Dieser wurde später in den Quantum Fond umbenannt mit dem Soros über die nächsten Jahrzehnte für sich und seine Investoren mehrere Milliarden Dollar verdienen sollte.
Die fast unmenschliche durchschnittliche Performance von über 20% p.a. über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahre, brachte dem Investment-Star aber nicht nur viele Bewunderer, sondern auch jede Menge Kritiker.
Seine erfolgreichen Spekulationen warfen natürlich riesige Gewinne ab, führten bei vielen anderen Marktteilnehmern aber gleichzeitig zu enormen Verlusten. Da seine Spekulationen zudem auch immer in einem politischen Kontext stattfanden, kamen häufig von überforderten Politikern Anschuldigungen dass Soros diese Krisen selber auslöste. Die Wette gegen das britische Pfund  im Jahre 1992 bei dem er mehr als eine Milliarde Dollar verdiente und die George Soros den Ruf einbrachte, die Bank of England zu sprengen, ist ein gutes Beispiel dafür. Die Bundesbank hatte aufgrund steigender Inflation die Zinsen deutlich angehoben, wodurch sich auf das britische Pfund enormer Verkaufsdruck entwickelte. Da aber die britische Wirtschaft schwächelte, wollte die Bank of England die Zinsen nicht angeheben und versuchte statt dessen durch Stützungskäufe das Pfund zu stabilisieren.

Der Verkaufsdruck wurde aber nach und nach größer, bis sich die Bank of England gezwungen sah, den aufgrund des europäischen Währungssystems festen Wechselkurs zur D-Mark aufzugeben und über Nacht gegenüber dem Dollar 25% und gegenüber der D-Mark 15% abzuwerten.

Der große Meister bekam daraufhin seinen Titel als „George Soros, der Mann der die Bank of England sprengte“ und gleichzeitig auch jede Menge anfeindungen.

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5. ) George Soros – Unfähige Politiker und feindliche öffentliche Meinung

Natürlich wollten sie damit nur vom Versagen der Politik selber ablenken (in diesem Fall über die schwache britische Wirschaft), nichtsdestotrotz bildete sich damit über die Jahre ihm gegenüber eine zweifellos feindliche Stimmung und so wurden ihm einige der größten Krisen der letzten Jahrzehnte wie der Austritt des Britischen Pfundes aus dem Europäischen Währungssystem (1992), die Asienkrise (1997/1998) und teilweise sogar die Immobilienkrise in den USA (2007) angedichtet.
Dabei hatte George Soros einfach nur die fundamentalen Ursachen für diese Krisen rechtzeitig erkannt und auch die Courage gegen die unausweichliche Korrektur dieser ökonomischen Fehlentwicklungen im großen Stil zu wetten. Dabei hat er selbsterklärend natürlich auch die eine oder andere Milliarde verdient.

 

6.) George Soros – Sehr einfaches Geheimrezept

Das Geheimrezept hinter seinen Erfolgen war die starke Überzeugung dass die einzige Konstante auf den Wertpapiermärkten die ständige Tendenz zu Unter- oder Übertreibungen ist.

Dem geschickten Investor oder Trader ermöglichen diese Fehlentwicklung demnach enorme Chancen zur Realisierung von Gewinnen.
Diese Überzeugungen basieren wie schon weiter oben erwähnt, auf der philosophischen Theorie der Reflexivität, welche von einer Diskrepanz zwischen der tatsächlichen und der wahrgenommenen Realität ausgeht.

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7.) George Soros – Was können sie als Anleger lernen?

Obwohl die wenigsten von uns einen quantitativen Macro-Fond aufgesetzten werden können, gibt es eine ganze Menge von ihm zu lernen.

Die sehr abgehoben klingende Theorie der Reflexivität, hat nämlich sehr praktische Anwendungen im Trading-Alltag. Märkte tendieren ständig zu Übertreibungen oder Untertreibungen. Wenn Panik an den Märkten herrscht, dann kaufen wahre Profis, bei Euphorie verkaufen sie.

Nachahmenswert ist auch sein fast unnachahmliches Money-Management. Wenn er von einer Wette richtig überzeugt ist, dann scheut er nicht davor besonders große Positionen aufzubauen und Haus und Hoffe zu setzen. Stellen sich diese Annahmen aber als falsch heraus, hat er aber keine Hemmung seine Position schnell wieder zu schließen und oftmals sogar zu drehen.
Die Fähigkeit immer absolut ruhig und rational zu agieren, besonders in Extremsituationen, unterscheidet ihn also von den meisten anderen Marktteilnehmern.

Daher legen auch wir vom Tradeblatt so viel Wert auf die psychologischen Aspekte des Tradings und raten den angehenden Händler eindringlichst diese Komponente nicht zu unterschätzen bzw. wann immer möglich aktiv zu trainieren.

Wer mehr vom ungarischen Investment-Genie lernen will, empfehlen wir auch die Lektüre einiger oder aller seiner hoch interessanten Werke (u.a. Die Alchemie der Finanzen, Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika oder Soros über Soros)

Bildquelle (Titelbild oben rechts): George Soros von wikipedia.org

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