Geldvernichtung – In 30 Minuten $15 Milliarden

By on Mai 24, 2015
geldvernichtung

Epochale Geldvernichtung: Sie glauben einen schlechten Tag heute zu haben? Glauben sie dass es den Reichen und Schönen dieser Welt nicht manchmal ähnlich ergeht? Dann denken sie nochmal. Li Hejun hat durch das Fernbleiben einer Versammlung in 30 Minuten rund $15Mrd. vernichtet!

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Epochale Geldvernichtung – In 30 Minuten $15 Milliarden

Vielleicht glauben sie dass sie gerade einen schlechten Tag haben. Li Hejun würde ihnen aber relativ schnell klarmachen können dass es wesentlich schlimmer hätte kommen können. Sie hätten, wie er auch, rund $14 Millarden in ein paar Minuten verlieren können. Um eine Vorstellung für diese unglaubliche Geldvernichtung zu bekommen haben wir einige Referenzen gesucht:

  1. Wenn man $1-Scheine nebeneinander platzieren würde, dann könnte man damit den Globus 600 Mal damit umwickeln,
  2. Man könnte auch 4000 Bugati Veyron 16.4 Super Sports kaufen (Listenpreis: $3.6m),
  3. Oder knapp 50 Airbus 380 erwerben.

Solche Gedanken dürften Li Hejun gestern durch den Kopf gegangen sein. Er hat nämlich den gestrigen Tag, je nach Sichtweise entweder als reichster Mann Chinas (laut dem französischen Figaro) oder als Zweitreichster (laut Forbes-Liste), begonnen. Unabhängig von der Platzierung war er zu Beginn des Handelstages rund $30 Milliarden schwer. Um 11 Uhr hatte sich aber sein Vermögen bereits fast halbiert, nachdem die Aktie seines Imperiums Hanergy Thin Film (0566.HK) circa 47% nachgegeben hatte bevor sie vom Handel ausgesetzt wurde. Das nennt man eine epochale Geldvernichtung!

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Der Grund für diesen epischen Einbruch war das Fernbleiben Lis bei der jährlichen Hauptversammelung seines Konzerns. Analysten welche den rasanten Anstieg der Aktie in den letzten Monate ungläubig mitverfolgt hatten, waren nicht überrascht und nannten Li Hejun

„ein vorprogrammierter Unfall“.

Das Unternehmen arbeitet schon seit geraumer Zeit mit nicht getesteter Technologie und informiert den Markt schon länger nicht ordnungsgemäß über die internen Abläufe. Auch bezüglich der Bilanzierung tauchten immer wieder Gerüchte auf dass es Ungereimtheiten geben dürfte. Für die Investoren war dies aber bislang scheinbar zweitrangig und die Aktie stieg unaufhörlich und machten Li zu einem der 3 reichsten Männer des Reiches der Mitte.
Alles schien also gut zu gehen, bis….

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Forbes berichtet dass die Aktie nach dem fast 50%igen Einbruch vom Handel ausgesetzt wurde.

Von Hanergy gab es zunächst kein Statement außer dass später mit einem zu rechnen sei. Wenig später wurde lapidar mitgeteilt dass der Vorstandsvorsitzende „etwas anderes zu tun hätte“.

Der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Li, der mehr als 50% der Aktien besitzt, hatte zuletzt das Unternehmen vehement gegenüber immer lauter werdenden Zweifeln am Geschäftsmodell verteidigen müssen. Besonders weil Hanenergy Thin Film eine Nischenlösung im Photovoltaik-Sektor einsetzt, welche zwar dünner als die üblichen Silikon-Panels ist, dafür aber noch wesentlich ineffizienter. Vor dem gestrigen Absturz hatte Hanergy Thin Film eine Marktkapitalisierung von über HK$300 Milliarden. Damit war der Konzern mehr Wert als Japans Sony Corporation und sieben Mal so viel wie der amerikanische Konkurrent First Solar Inc. In Summe mehr sogar als alle anderen Wettbewerber zusammengerechnet.

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Analysten meinen daher dass diese Korrektur zu erwarten war, nachdem die Aktie ohne Bezug zu der fundamentalen Situation des Unternehmens abgehoben war und schon fast surreale Bewertungsniveaus aufwies. Einzig dieser Auslöser kam aus ihrer Sicht unerwartet.

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Zur Erinnerung, die Aktie war von HK$1.50 im Oktober auf über HK$9 geklettert obwohl das Unternehmen einen relativ kleinen Marktanteil hat und zudem die Produktion fast zur Gänze an die eigene Holding verkauft. Unüblich waren auch gewisse wiederkehrende Chartmuster der Aktie, bei denen es in den letzten 10 Minuten des Handelstages immer wieder zu rasanten Anstiegen kam. Wer hinter diesen äußerst auffälligen Transaktionen stand, ließ sich bis heute nicht mit Sicherheit eruieren.

.Manipulierte Zahlen beim größten Solarhersteller?

untersuchung-bilanzenIm Hintergrund laufen – seit Januar schon – Untersuchungen durch die Financial Times und der Finanzmarktaufsicht, welche die sehr unkonventionellen Bilanzierungspraktiken des Unternehmens mehrmals in Frage gestellt haben. Zudem hat die Solarenergie-Firma „Hanenergy Thin Film“ bislang nicht überzeugend erklären können weshalb ihre Technologie in Zukunft besser funktionieren wird als andere derzeit am Markt existierende Lösungen. Wichtig ist eine derartige Erklärung insofern da nur ein revolutionärer neuer Ansatz die aberwitzigen Bewertungen dieser Aktie zumindest teilweise rechtfertigen könnten. Unabhängige Untersuchungen haben keine Indizien für ausreichende Auftragseingänge aus dem Photovoltaik-Sektor finden können welche den dramatischen Anstieg der Aktie in den letzten 12 Monaten nur annähernd erklären hätten können.

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Herr Li der 1967 geboren wurde hatte schon immer eine klare Vorliebe für prachtvolle Inszenierungen. Er lässt sich, ganz im Gegensatz zu der chinesischen Tradition, „Chairman Li“ von seinen Mitarbeiter und auch vom restlichen Vorstand nennen und hat den Hauptsitz seines Unternehmens in ein exklusives und prunkvolles Gebäude in Beijing verlegen lassen. Der Weg in sein Büro führt über einen langen Gang entlang antiker Bücherregale mit noch älteren Exemplaren klassischer Literatur. Das gesamte Gelände wird von bewaffneten Securities überwacht.

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Die meisten Neo-Milliardäre in China sind über den Verkauf von billigen Konsumentenartikeln an den Westen zu ihrem Wohlstand gekommen. Das ungewöhnliche an „Chairman Li“ ist dass er es im staatlich kontrolliert Energie-Bereich schaffte so einen unglaublichen Reichtum anzuhäufen.

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Wann auch immer Herr Li wieder vor seine Aktionäre treten wird ist noch unklar, klar scheint jedoch dass er auf dem Milliardärs-Podium nicht mehr so bald zu finden sein wird .
Womit bewiesen wäre, dass nicht nur Otto-Normalverbraucher manchmal mit dem linken Fuß aufsteht!

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