Positionsgrößenbestimmung: Systematisch optimieren

By on Juni 17, 2015
Positionsgroeßen optimal bestimmen Anleitung


Moneymanagement und Positionsgrößenbestimmung haben bekanntlich einen enormen Einfluss auf die Trading-Ergebnisse. Wie kann man die Positionsgrößen systematisch optimieren? Hier erklären wir ihnen wie sie durch geschickte Verwendung moderner Methoden ihr Risiko reduzieren und gleichzeitig das Gewinnpotential steigern können. Klingt wie Alchemie, ist aber im Grunde ganz einfach…

 

Die Bedeutung der Positionsgrößenbestimmung

Sehr oft fixieren sich Trading-Neulinge zu Beginn ihrer Karriere auf die heißesten Indikatoren, Chart-Muster oder auch „Menüs aus der Gerüchteküche“, vergessen dabei aber wesentlich wichtigere Aspekte wie die richtige Depotgröße, Stückzahl, Positionsgröße und Risikooptimierung.
Diese Faktoren sind nicht nur für sich alleine genommen extrem bestimmend für das Gesamtergebnis der eigenen Handelsaktivitäten, sondern auch ihr Zusammenspiel untereinander ist oft von entscheidender Bedeutung ob ein Händler unter dem Strich positive oder negative Erträge erwirtschaften wird.

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Positionsgrößenbestimmung: Van Tharps MurmelspielnV.

So überrascht die Trading-Koryphäe und Buch-Autor Van K. Tharp (Clever traden mit System: Erfolgreich an der Börse mit Money Management und Risikokontrolle oder Beruf: Trader: Unabhängig traden, selbstständig handelnin seinen Trading-Kursen die Teilnehmer oft mit einem extrem simplen Murmelspiel. Bei diesem werden zuerst zwei unterschiedliche Murmelfarben im Verhältnis von 4:6 in einen Beutel gegeben. 40% der Murmeln sind „Verlierer-Murmeln“ und 60% Gewinner. Die Teilnehmer bekommen dann alle das gleiche Budget zugewiesen und beginnen Murmeln aus dem Beutel zu ziehen. Bei einer Verlierer-Murmel reduziert sich das verfügbare Budget um einen bestimmten Betrag, bei einem Winner erhöht es sich um den selben Betrag. Auf das Trading umgemünzt käme dieses Spiel einem Gewinn-Verlust-Verhältnis von 1:1 gleich.
Bei einer Erfolgsquote von 60% und gleichen Verlust- wie Gewinnbeträgen klingt dieses Spiel aus mathematischer Sicht grundsätzlich wie eine sehr interessante Wette mit deutlich positivem Erwartungswert.

Rein rational gesehen müßte daher jeder halbwegs ambitionierte Trader eine derartige Wette oder Handelsstrategie annehmen bzw. umsetzen.
Umso größer ist aber bei den teilnehmenden „Murmelspielern“ nach einigen Runden die Überraschung über die enorme Divergenzen bei den Ergebnissen der einzelnen Marktteilnehmern. Während einige Spieler nach wenigen Runden das gesamte Budget bereits verbraucht haben und Bankrott gehen, reüssieren einige Teilnehmer im großen Stil.

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Positionsgrößenbestimmung: Schützen sie sich vor negativen Läufen

Wie kommt es zu dieser Divergenz obwohl alle Spieler die gleiche Verteilung an Gewinnern und Verlierern in den Beutel vorfinden?

Der kleine aber feine Unterschied hier nennt sich im Fachjargon Pfadabhängigkeit.

positiongröße-risikominimieren

Positionsgrößenbestimmung:

Wissenschafter erklären diesen Effekt so: Pfadabhängige Prozesse verhalten sich an den Kreuzungspunkten nicht deterministisch, sondern chaotisch. Eine kleine Störung führt über positive Rückkopplung zu einem ganz anderen Ausgang. Anders ausgedrückt: kleine Veränderungen in der Reihenfolge der Ereignisse führen oftmals zu komplett unterschiedlichen Ausgängen.

Diese Anfälligkeit auf den jeweils eingeschlagenen Pfad, entscheidet besonders bei Anfängern oft über Erfolg oder Misserfolg, während erfahrene Marktteilnehmer durch geschickten Einsatz von Money-Management und Positionsgröße sich vor den teilweise verheerenden Folgen negativer Läufe großteils isolieren können.

Wir werden ihnen in der Folge erklären wie auch sie diesen Effekt zu ihrem Vorteil nützen können, und damit ihre Erfolgsaussichten wesentlich verbessern. Eines aber jetzt schon vorweg. Auch durch die noch so konsequente Umsetzung geschickter Money-Management-Regeln kann eine Trading-Strategie mit negativem Erwartungswert nicht in eine erfolgreiche umgewandelt werden. Was man aber sehr wohl erreichen kann, ist mittelfristig optimale Erträge für einen gegebenen Ansatz erzielen.

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Positionsgrößenbestimmung: Optimale Stückzahl festlegen

Die Bestimmung der optimalen Positionsgröße ist nicht für jeden Händler bzw. für jede Handelsstrategie einheitlich. Sehr viel hängt von Faktoren wie den Investment- bzw. Tradingansatz (zum Beispiel langfristige Trendfolger vs. kurzfristige Regression zur Mitte), von der Erfolgsquote und auch vom jeweiligen Risiko-Ertrags-Verhältnis.

So wird ein Buy-and-Hold-Investor welcher einen bestimmten Index als langfristige Veranlagung kauft und auch auf die Dividendenzahlungen angewiesen ist, wahrscheinlich mit einer 100%igen Veranlagung seines Investmentkapitals am besten fahren.
Für einen aktiven Intraday-Händler der womöglich noch einen gehebelten Ansatz verwendet, wäre eine 100%ige Positionsgröße mit Sicherheit ein schwer zu händlendes Risiko. Für aktive Händler gibt es nämlich effizientere und auch sichere Alternativen sein Kapital am Markt einzusetzen.
Wir werden hierzu vier Möglichkeiten kennenlernen und ihnen auch erklären mit welcher sie ohne jeglichen Zweifel am erfolgreichsten sein werden:

11. Fixe Stückzahl
Bei dieser Strategie setzt der Händler wie der Name schon verrät, immer eine bestimmte Stückzahl ein. Das Risiko varriert da es primär von der Stopp-Loss-Marke abhängt. Der Vorteil dieses Ansatzes ist dass er einfach zu implementieren ist und bei hoher Trefferquote bzw. bei einem sehr attrkativen Gewinn-Verlust-Verhältnis auch funktionieren kann. Zudem bekommt der Händler durch die gleichbleibende Stückzahl ein gutes Gefühl für die Risikoentwicklung der Position bzw. des Portfolios. Gegen diese Methodik spricht, dass eine relativ kurze Folge von negativen Trades das Depot komplett handlungsunfähig machen kann und das schnelle Ende der Karriere bedeuten könnte.
Wir werden in der Folge bessere Möglichkeiten kennenlernen, die positiven Aspekte dieser Methode zu behalten und dabei trotzdem das Karriererisiko auszuschalten.

22. Feste Positionsgröße
Bei diesem Ansatz definieren sie das maximale Risiko welches sie verlieren wollen und passen bei gegebenem Stopp-Loss die Stückzahl an. Damit haben sie von vorneherein eine definierte Risiko-Exposure. Dieser Ansatz ist gegebenüber dem ersten bereits ein Fortschritt, bietet aber keine systematische Lösung an, da das maximale Risiko ziemlich willkürlich festgelegt wird.

33. Festes Risiko
Dieser Ansatz ist eine Weiterentwicklung der festen Positionsgröße. Statt aber einen willkürlichen Betrag zu definieren welchen man bereit ist zu riskieren und, daraus abgeleitet, dann die Positionsgröße festzulegen, wird beim festen Risiko der riskierte Betrag vom Gesamtwert des Depots abgeleitet. So können zum Beispiel immer 2% vom aktuellen Gesamtstand pro Trade riskiert werden. Damit wird automatisch bei positiven Runs, die Positionsgröße sukzessive erhöht, bei negativen reduziert.

Die dritte Methode ist insofern smarter, als sie nicht „zufällige“ oder unsystematische Risikogrößen heranzieht, sondern die jüngste Entwicklung des Portfolios implizit mitberücksichtigt.

Damit wird sichergestellt, dass in Marktphasen wo die verwendete Trading-Strategie besonders gut funktioniert, das gehandelte Volumen automatisch ansteigt, während nach negativen Läufen das Risiko drastisch minimiert wird. Mit dieser Methode können sie also das Risiko Pleite zu gehen über die automatische Anpassung der gehandelten Stückzahlen extrem reduzieren, während gleichzeitig das Potential in guten Phasen überproportionale Gewinne zu lukrieren, unberührt bleibt.

In der Praxis ist die kontiuierliche Anpassung der Positionsgrößen aber, speziell bei etwas umfangreicheren Portfolios, ziemlich umständlich und rechnungsintensiv, weshalb diese Anpassung im Trading-Alltag normalerweise in mehreren Schritten erfolgt.

So kann man zum Beispiel die gehandelten Positionen in Schritten von 5% anpassen, das heißt die Anpassung erfolgt nicht stufenlos, sondern erst wenn das Depot 5% an Wert zugelegt oder abgenommen hat.

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Positionsgrößenbestimmung: Risikooptimierung

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Positionsgrößenbestimmung:

Bei festem Risiko müssen sie sich also als erstes überlegen wieviel Prozent ihres Gesamtportfolios sie bereit sind bei jedem Trade zu riskieren. Auf keinen Fall sollte dieser Prozentsatz aber mehr als 2% ausmachen.

Als Faustregel gilt dass je höher die erwartete Erfolgsquote des Ansatzes ist, desto höher kann auch der riskierte Prozentsatz sein. Umgekehrt gilt wiederum dass je niedriger das Gewinn-Verlust-Verhältnis(GVV) ist, desto niedriges sollte auch der riskierte Betrag sein. Im Normalfall sind Erfolgsquote und GVV umgekehrt proportional zueinander. Es gilt dieses Zusammenspiel zu optimieren.

Bei erfahrenen Händler beliebte „Faustregeln“ sind:

  • Bei hohen Win Ratios von über 70%, sollen rund 2% des Depots riskiert werden,
  • Bei mittleren Win Ratios von zwischen 30-70%, sollen circa 0.5% des Depots riskiert werden,
  • Bei niedrigen Win Ratios von unter 30%, sollen nicht mehr als 0.1% des Gesamtportfolios auf das Spiel gesetzt werden.

Mit dieser Formel und einem vernünftigen Gewinn-Verlust-Verhältnis können sie sich praktisch komplett vom genauen Verlauf der “gezogenen Kugeln” isolieren.

Wenn also entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, 10 negative Trades hintereinander erfolgen, wird die Positionsgröße so schnell nach unten adaptiert, dass die Gesamtverluste für das Depot verschmerzbar sind. Tritt der entgegengesetzte Verlauf ein und es passieren 10 Gewinner in Folge, dann haben sie bereits das gehandelte Volumen ordentlich nach oben geschraubt, wodurch sie überproportional hohe Erträge erzielen können.

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Positionsgrößenbestimmung:

Durch die Verwendung dieser prozyklischen Methodik erreicht der Trader einen äußerst interessante Verlauf seiner Equity-Kurve. Wachtumsphasen werden dabei voll ausgenutzt um das Kapital stark zu vermehren, während in verlustreichen Perioden das Risiko schnell reduziert wird um so die eigene Handlungsfähigkeit immer aufrecht zu erhalten und damit das Überleben zu garantieren.

Somit muß sich der Trader “nur” mehr um die Entwicklung von Strategien und Tradingansätzen mit adequaten Trefferquoten und/oder auch optimalen Gewinn-Verlustverhältnisssen kümmern, während das stets lästige Money-Management des Portfolios de facto auf Autopilot geschalten wird!

4 Comments

  1. robert33

    Juni 18, 2015 at 08:28

    Schön und gut, aber als Anfänger braucht man erst einmal eine Anleitung, um überhaupt traden zu können! 😉
    Vielleicht schreibt ihr da mal nen Artikel

  2. Valentina

    Juni 18, 2015 at 08:31

    ja! eine gute idee von robert. brauche auch eine anleitung die mir zeigt wie man überhaupt mal traden kann. sonst bietet ihr ja immer sehr gute tippe und infos aber wie muss man den anfangen wenn man mit trading geld machen will?

  3. TraderblattRedaktion

    Juni 18, 2015 at 09:20

    Hallo Valentian, hallo Robert,
    ja, dieser Artikel ist für den fortgeschrittenen User/Trader gedacht. Da eine große Anzahl an Anfängern nach einer sehr guten Anleitung sucht um in das Tradinggeschäft einzusteigen, empfehle ich diesen Trading-Anfänger Videokurs (hier). Dort werdet ihr lernen können, wie man vorgehen muss als Trading-Einsteiger.

  4. Karsten Rabe

    Juli 1, 2015 at 11:35

    Im Rahmen des Money-Managements ist es als Anleger unter anderem die wichtige Aufgabe immer die richtige Positionsgröße zu berechnen. Natürlich muss man immer darauf achten, im Rahmen seines Budgets seine Trades abzusetzen und nur so viel Kapital einzusetzen, dass meines Erachtens 0,5 bis 3 % des Gesamtkapitals verwendet werden für eine einzelne Order.

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