Trailing Stop – Die Waffe der Trading-Profis

By on Juni 1, 2016
Trailing Stop Trading

Kaum ein Profi kommt ohne das Trailing Stop aus. Aber was sind sie und wie können auch Sie damit Ihre Trading-Ergebnisse deutlich verbessern? Lesen Sie in diesem Artikel alles über diese beliebte Waffe der Trading-Profis.

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Was ist ein Trailing Stop?

Eine Trailing Stop Order, oder auf Deutsch eine nachlaufende Stop Order, kann man automatisch einen bestimmten Prozentsatz vom derzeitigen Kurs entfernt setzen. Bei einer Long Position würde man diese unterhalb des derzeitigen Kurses setzen, während bei einem Leerverkauf diese oberhalb des momentanen Preisniveaus platziert gehört.

Die Idee hinter der nachlaufenden Stop Order ist eine Marktbewegung in die erwartete Richtung voll auszuschöpfen und bei einer Umkehr möglichst rasch die Gewinne realisieren zu können. Damit maximiert man die möglichen Profite in dem man die Winner laufen lässt und gibt gleichzeitig bei Gegenbewegungen nicht wieder allzu viel an den Markt zurück gibt.

Auch bei längeren Trends kommt es nämlich oftmals abrupt zu rasanten Kursrückgängen, die den unaufmerksamen Anleger oder Trader unvorbereitet erwischen können und große Teile vorher erzielter Gewinne zu Nichte machen oder gar eine vorherige gewinnträchtige Position wieder ins Minus drehen. Mit einer smarten Trailing Stop Strategie können sie also immer derartige Situationen einfach und erfolgreich lösen. Wichtig ist ebenfalls, dass man automatisch die Trailing Stop Order statt als Prozentsatz des derzeitigen Kursniveaus auch als einen absoluter Euro-Betrag festgelegen kann.

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Trailing Stop als Prozentsatz oder Eurobetrag festlegen

Wie bereits erwähnt kann ein Trailing Stop zu Deutsch als nachlaufender Stop übersetzt werden. Das heißt nichts anderes als dass man stets einen Differenzbetrag festgelegt zu dem eine Stop-Order ausgelöst wird. Diese Differenz kann entweder als Prozentwert (zum Beispiel 10%) oder in Euro Absolutbeträgen (1000€ Wertminderung des Portfolios)angegeben werden.

Die Idee dieses Order-Typs ist, dass der Ausstieg nicht nach statischen Kriterien erfolgt, sondern an die Dynamik der Preisbewegung angelehnt wird. Sind Sie also long und der Kurs steigt, können hoch wahrscheinlich noch höhere Verkaufspreise erzielt werden da mit einer Fortsetzung des aufwärts gerichteten Trends zu rechnen ist. Daher wird in diesem Fall auch das Ausstiegsniveau dynamisch mit nach oben gezogen. Drehen aber die Kurse in diesem Beispiel, so wird aber das Ausstiegsniveau angepasst und damit Gewinne schneller eingefahren bzw. auch mögliche Verluste verhindert. Bei einer Long-Position erfolgt also eine Anpassung immer nur nach oben, während bei einer Short-Position die Adjustierungen nach unten stattfinden.

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Trailing-Stop Strategie als Disziplin-Ersatz

Das einzigartige am nachlaufenden Stop ist dass es dem Trader bzw. Anleger stets hilft diszipliniert eine Strategie zu verfolgen bei der die Gewinne maximiert und die Verluste minimiert werden.

Obwohl dieser Vorsatz in der Theorie einfach klingt, bricht der Großteil der Händler diese alte Börsenweisheit regelmäßig und erleidet so Verluste. Umso wertvoller ist es daher ein so simples Instrument zu besitzen, welches einem bei der Umsetzung dieser Idee hilft ohne gleichzeitig allzu viel Aufwand erforderlich zu machen.
Führen Sie sich in diesem Zusammenhang immer vor Augen, dass eine Aktie die 50% eingebrochen ist, mathematisch gesehen wieder 100% steigen muss um auf das ursprüngliche Einstiegsniveau zu gelangen. Bei einem Einbruch von 33%, sind es immerhin noch immer 50% die aufgeholt werden müssen. Mit einer einfach Trailing Stop Strategie können Sie derartige Waterloos aber leicht verhindern.
Generell empfiehlt es sich für die Berechnung der Stop-Levels Schluss- und nicht Intraday-Kurse zu verwenden, da diesen meistens mehr Aussagekraft zukommt, als bei den oftmals unzuverlässigen Intraday Kursen.

Wichtiger aber als eine mathematisch oder Chart-techschnich genaue Festlegung des Ausstiegskurses, ist viel mehr die konsequente und ausnahmslose Befolgung der Stop-Loss Order.
Vermeiden Sie den Rückgriff auf „einmalige“ Entschuldigungen.

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Gewohnheit wird zu Geld mit Trailing Stops

In Wahrheit ist die Verwendung von Trailing Stop Orders, wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens, nur eine Gewohnheit welche man zum Ritual machen muss. Sobald es nämlich zur Routine geworden ist, werden Sie mit den kleineren Verlusten bei einzelnen Positionen keine Probleme mehr haben und Ihr Portfolio wird es Ihnen ohne Zweifel mit deutlichen Ertragszuwächsen zu danken wissen.
Denn sogar die größten Trading-Legenden der Geschichte liegen mit ihren Positionen überraschend oft daneben. Der Unterschied ist, dass sie diese fehlgeschlagenen Erwartungen frühzeitig erkennen und dann auch Imstande sind ohne zu zögern kleinere Verluste zu nehmen.
Auch George Soros, einer der erfolgreichsten Trader aller Zeiten, meinte in diesem Zusammenhang:

Es ist nicht wirklich wichtig ob Sie richtig oder falsch liegen, sondern wie viel Geld Sie machen können wenn Sie richtig bzw. wie wenig Sie verlieren wenn Sie falsch liegen.

Und genau um dies umzusetzen, ist das Trailing Stop ein fantastisches und unverzichtbares Tool.

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Verwendung von Trailing Stops

Der wichtigste Schritt bei der Verwendung von Trailing Stops ist die Festlegung des Betrages den Sie bereit sind zu riskieren. Dies hängt natürlich in erster Linie von Ihrer eigenen Risiko-Toleranz, Positionsgröße sowie von der Wahl der Strategie ab. Normalerweise sollten Sie mit einer Trading- Position aber nicht mehr als 10 Prozent dieser Position riskieren.
Bei einem Kauf von Aktien im Wert von 5.000 Euro, sollten also nicht mehr als 500 Euros riskiert werden.
Wenn Sie beispielsweise um 5.000 Euro Volkswagen-Aktien bei 100 Kaufen und diese zuerst auf 120 steigen, dann wird der Stop-Loss Auftrag nachgezogen. Das heißt also das er in diesem Fall nicht mehr bei 90 liegen würde, sondern bei 108 Euro (120 – 10%). Damit hätten Sie egal wie sich die Aktie später weiterentwickelt einen schönen Gewinn eingefahren.
Anhand einiger Beispiele lässt sich aber leicht erkennen, dass die Verwendung von Trailing Stop Loss Orders fast in jeder Situation für den Händler von Vorteil oder zumindest nicht von Nachteil ist.

Beispiel 1:
Trailing Stop Loss im EURO – PFUND Währungspaar

TrailingStop1

In diesem Beispiel handeln wir den Euro gegen das britische Pfund im kurzfristigen Bereich. Bei 0,775 ist unser Einstiegsniveau und das Trailing Stop soll nach Moneymanagement – Kriterien bei 30 Pips gesetzt werden. Nachdem das Währungspaar zunächst fast ohne Unterbrechung auf 0,79 klettert, kommt es zu einer abrupten Trendumkehr welche die Währung wieder auf das Einstiegsniveau führt. Mit der Trailing Stop Order sind wir aber trotzdem in der Lage 100 Pips Gewinn einzufahren, ohne das Gesamtrisiko erhöht zu haben!
Bei einem statischen Ansatz wär die Stop-Loss Order hingegen unterhalb des Einstiegsniveaus gelegen, wodurch durch dieser Umkehr kein zählbarer Gewinn mehr vorhanden wäre. Nach einem potentiellen Gewinn von über 100 Pips wäre diese Situation auch psychologisch nicht einfach für den Händler zu verkraften gewesen. Deshalb wird als einer der größten Vorteile der Verwendung von Trailing Stops die damit verbundene „psychische Hygiene“ gesehen. Sie spielt ohne Zweifel bei erfolgreichen Marktteilnehmern eine große Rolle.

Beispiel 2:

Trailing Stop Loss im DAX – Aktienindex

TrailingStop2

In diesem Beispiel verkaufen wir Anfang des Jahres den Dax mit einem Trailing-Stop von 5% leer. Nach einer ziemlich rasanten Talfahrt die den deutschen Leitindex unter die 9.000 Punkte Marke bringt, kommt es zu einer Erholung. Wir steigen aber mithilfe des Trailing Stops bei 9.400 Indexpunkten aus, und fahren einen schönen Gewinn von knapp 1.500 Indexpunkten oder rund 15% innerhalb weniger Wochen ein. Bei Verwendung eines statischen Stops wäre der Gewinn schon auf unter 10% geschmolzen.

Beispiel 3:

Trailing Stop Loss im EURO – Schweizer Franen Währungspaar

TrailingStop3

In Erwartung einer signifikanten Verschlechterung der Lage im Euro-Raum verkaufen wir den Euro gegen den Schweizer Franken bei 1,06 leer. Leider bewahrheitet sich unsere Prognose nicht, weshalb wir bei einem Stop von 100 Pips bei 1,07 wenig später ausgestopt werden. In den folgenden Wochen und Monaten soll der Euro gegenüber der Schweizer Währung weiter zulegen, wodurch uns das disziplinierte Setzen einer Stop-Loss Order vor weiteren Verlusten schützt. Gegenüber eines statischen Stop-Losses ergibt sich sogar in diesem ungünstigen Verlauf, keine Verschlechterung der Ergebnisse durch den Einsatz eines nachlaufenden Stops.
Es zeigt sich also, dass unabhängig von der Kursentwicklung des Wertpapiers oder der Währung, die dynamische Anpassung des Stops immer mindestens so vorteilhaft ist wie eine statische Marke. In Summe haben alle drei Szenarien eine deutliche Verbesserung der Ergebnisse ermöglicht und dies bei gleichbleibendem Aufwand. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist die genaue Kalibrierung der Parameter für die Festlegung der Stop-Loss Marke weniger wichtig, als diese Orders konsequent und diszipliniert zu befolgen. Denn:

Disziplin ist der einzige wahrhaftige Gott an den Finanzmärkten!

Beten Sie ihn daher gebührend an, egal in welcher Situation, denn ohne Disziplin hilft die beste Strategie nichts.
Freilich macht es auch wenig Sinn immer die Stop-Marke bei 10% zu setzen ohne das Chart-technische Bild mit zu berücksichtigen. Oftmals wird es daher richtig sein, nach signifikanten Widerstands- oder Unterstützungszonen zu suchen und die Orders dementsprechend anzupassen. Wenn also die Stop-Loss Marke bei 90 Euro liegt, Sie aber wissen dass bei 88 Euro eine starke Unterstützungslinie verläuft, dann wäre es fahrlässig diese Information nicht zu berücksichtigen. In diesem Fall wäre zu empfehlen das Ausstiegsniveau auf knapp unterhalb der 88 Euro-Marke zu platzieren, um so nicht unnötig ausgestoppt zu werden.

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Trailing Stop: Die Schwächen

Kein Instrument ist an den Märkten frei von Schwächen. Was sind also die Schwächen des Trailing Stops?
Mit dem Trailing Stop, wie mit jedem anderen Stop Typ, wird es natürlich manchmal auch vorkommen, dass Sie ausgestoppt werden und das gehandelte Wertpapier kurz danach seine Bewegung in die erwartete Richtung fortsetzt. Diese Situation ist alles andere als erfreulich und kann durchaus mal Frust auslösen. Realistischerweise lässt sich die Situation aber nicht vermeiden und sollte es ehrlich gesagt auch nicht. Denn die Szenarien in denen Sie von einem Trailig Stop profitieren werden, überwiegen deutlich.

Wichtig ist es aber beim Setzen der Stops intelligent vorzugehen und sowohl die Charttechnik als auch die eigene Positionsgröße dementsprechend mitzuberücksichtigen.

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Trailing Stop: Das Fazit

Durch die geschickte Verwendung von Trailing Stops werden Sie mit Sicherheit Ihre Erträge deutlich verbessern können. Einer der größten Vorteile ist, dass durch die automatische Verwendung von Stops, Sie ganz einfach Ihr Ego ausschalten können und in Wirklichkeit das Portfolio auf Auto-Piloten laufen lassen. Damit hören Sie auch damit auf sich bestimmte Kursverläufe zu wünschen, sondern treffen stets einfach und unkompliziert rationale Entscheidungen.

Egal ob Aktien, Rohstoffe oder Forex, mit Trailing Stops werden sich ihre Trading-Ergebnisse sofort und unmittelbar verbessern. Probieren Sie es aus und überzeugen Sie sich selber von dieser von vielen Profis verwendeten Geheimwaffe.

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